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Presseinformation 14.02.2003

Förderpreise für 4 Nachwuchswissenschaftler

Die Förderpreise sollen die Bearbeitung von Natur- und Umweltschutzschutzthemen fördern - Diplomarbeiten werden mit je 5000 Euro prämiert


München, 14.2.03. Am 14.2.03 werden erstmals die neuen Förderpreise Wissenschaft der Gregor Louisoder Umweltstiftung für Studenten in umwelt- bzw. naturschutzrelevanten Studiengängen verliehen. Jeweils 5000 Euro Fördersumme erhalten die Verfasser der ausgezeichneten Diplomarbeiten, Ellen Brouns, Thomas Ernstorfer, Hans Hinrich Huss und Ingo Voigt im Rahmen der Preisverleihung. Bernd Louisoder, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, würdigt bei der Laudatio im Nyphenburgzimmer (Eden Hotel Wolff, München) besonders das persönliche Engagement der Nachwuchswissenschaftler.

Weitere Informationen zu den Preisträgern und den prämierten Arbeiten

Im Anhang finden Sie Kurzinformationen zu den prämierten Arbeiten. Ausführliche Zusammenfassungen finden Sie im Archiv unter Förderpreise Wissenschaft.

Mit den "Förderpreisen Wissenschaft" will die Stiftung Nachwuchswissenschaftler ermutigen, gerade auch Themen und Problemfelder zu bearbeiten, die nicht automatisch eine Industriekarriere oder Begeisterung bei potentiellen Arbeitgebern in der Verwaltung versprechen. "Gerade der Natur- und Umweltschutz braucht in Zukunft mehr denn je qualifizierte und engagierte Wissenschaftler, die nicht nur auf eine möglichst schnelle Karriere in der Industrie starren, sondern sich für eine nachhaltige und ökologische Entwicklung engagieren. Der Grundstein dafür wird spätestens bei der Wahl des Diplomarbeitsthemas gelegt", so Claus Obermeier, Vorstand der Stiftung bei der Vorstellung der neuen Preise. Im einzelnen werden die Förderpreise für Abschlussarbeiten in den Studienschwerpunkten Raum-, Stadt- und Verkehrsplanung, Biologie, Geografie, Forst- und Agrarwissenschaften sowie Volkswirtschaft vergeben, weitere Informationen enthält die Ausschreibung (www.umweltstiftung.com >Förderpreise). Die Jury bestand aus Dr. Manuel Schneider (Projektbüro make sense), Dipl. geogr. Claus Obermeier und Dipl. Kaufmann Bernd Louisoder.


Ihr Ansprechpartner für Rückfragen:

Gregor Louisoder Umweltstiftung, Claus Obermeier (Vorstandsvorsitzender),

Tel. 089/54212142, Fax 089/52389335, email: info@umweltstiftung.com

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Anlagen:

Ellen Brouns: Ist Wildnis planbar?

Werte und Interessenskonflikte in der raumbezogenen Umweltplanung anhand von ausgewählten Wildnis-Projekten.

ebrouns@gmx.de

Die Frage mutet zunächst paradox an: Ist Wildnis planbar? Verstehen wir doch unter Wildnis gemeinhin dasjenige, was sich unserem planerischen Zugriff gerade entzieht. Als Wildnis empfinden wir die vorgefundene "wilde Natur", vor der wir uns fürchten und von der wir und zugleich angezogen fühlen. Oder aber wir sehen als Wildnis an, was zufällig und spontan, jedenfalls ohne menschliches Zutun entsteht.

Bei näherer Hinsicht löst sich dieser Widerspruch zwischen Wildnis und menschlichem Zugriff jedoch auf. Wildnis im Sinne einer ursprünglichen, vom Menschen gänzlich unbeeinflussten Natur gibt es heute nicht mehr, wie Ellen Brouns gleich zu Beginn ihrer Arbeit feststellt. Die Folgen menschlichen Handelns sind überall in der Natur abzulesen - und sei es "nur" etwa durch die globalen Klimaveränderungen, die wir Menschen hervorgerufen haben und die sich auch dort auswirken, wo ansonsten der Mensch noch nicht Natur besiedelt hat.

Wildnis kann daher heute nur aus der Kultur bzw. technischen Zivilisation heraus entstehen und ist als Teil der Kultur zu verstehen. Das ist ein zentraler Grundgedanke, den Ellen Brouns im Rahmen ihrer Diplomarbeit im Studiengang Umweltwissenschaften der Universität Lüneburg entfaltet hat. Sie geht Beispielen nach für ein "Zulassen" von Natur inmitten unserer Zivilisation, für ein "Laufenlassen" natürlicher Prozesse ohne Eingriffe des Menschen - Beispiel für Prozesse der "Verwilderung".

Konkret untersucht sie den Nationalpark Bayerischer Wald, den Stadtwald in Lübeck als siedlungsnahe Wildnis sowie eine Stadtbrache auf einem alten Rangierbahnhof in Berlin-Schöneberg. So unterschiedlich die untersuchten Wildnisformen auch sein mögen, sie kommen darin überein, dass sie eigendynamische Prozesse der Natur zulassen, in die der Mensch nicht steuernd eingreift. Dabei geht Ellen Brouns der Frage nach, welche ökologische, ökonomische und welche kulturelle Bedeutung jeweils "Wildnis" im Sinne von Verwilderung hat bzw. haben könnte.

Die Arbeit mündet in Empfehlungen für ein Landschaftsplanung, die eigendynamische Prozesse zulässt und in ihr planerisches Konzept integriert. Die untersuchten Beispiele zeigen vor allem, dass eine solches "Zulassen von Wildnis" nur dann erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn alle beteiligten Akteure von Anfang in einen intensiven Kommunikationsprozess eingebunden sind. Die Voraussetzung für die Planbarkeit von Wildnis ist ihre Akzeptanz.

Die Diplomarbeit bearbeitet ein bislang vernachlässigtes Thema, das über den engen Bereich der Landschaftsplanung weit hinausreicht. Sie macht auf die "Wildnis vor unserer Haustür" aufmerksam, zeigt eindrücklich und sprachlich pointiert den Wert, den die Realisierung des Wildnisgedankens in unserer Kultur haben kann. Die Arbeit hat durchaus philosophischen Tiefgang. Sie fragt danach, wie das Zulassen von Wildnis unser Verhältnis zur Natur - und damit auch zu uns selbst - verändern könnte.

Thomas Ernstorfer : Integriertes Nationalparkmanagement in Australien.

Der Nutzungskonflikt zwischen Naturschutz und Tourismus am Beispiel des Wilsons Promontory National Park.

tom.ernstorfer@gmx.net

Weltweit gibt es mehr als 13.000 Nationalparks und andere geschützte Gebiete, die größer als 1.000 Hektar sind. Insgesamt sind damit bereits knapp 10 Prozent der Erdoberfläche als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Nationalparks dienen vor allem dem Schutz der Unversehrtheit eines Ökosystems, zugleich aber auch der Erholung für uns Menschen. Nationalparks sollen Natur und Wildnis dem Menschen näher bringen, für die Menschen erfahrbar werden lassen. Damit ist bereits in der Idee des Nationalparks ein Nutzungskonflikt zwischen Naturschutz und Tourismus angelegt.

Um diesen zentralen Konflikt geht es in der von uns ausgezeichneten Diplomarbeit, die am Institut für Wirtschaftsgeografie der Ludwig-Maximilians-Universität München eingereicht wurde. Am Beispiel des Wilsons Promontory National Park in Australien wird ein integriertes Nationalparkmanagement hinsichtlich seiner Auswirkungen auf Naturschutz und touristischer Nutzung untersucht. Integriertes Nationalparkmanagement ist das neue Leitbild moderner Nationalparks, bei dem versucht wird, die lokale Bevölkerung stärker zu integrieren und regionalwirtschaftliche Effekte für die Parkanwohner zu generieren. Der angesprochene Konflikt soll sozusagen "weg-integriert" werden. Tourismus und Naturschutz, die "geborene Gegner" sind, sollen zu Partnern im Bezug auf den Schutz und die Erhaltung der Natur werden.

Die Arbeit von Thomas Ernstorfer untersucht am Beispiel eines der weltweit ältesten Nationalparks in Australien diesen Integrationsprozess, dessen Gelingen auch für die Zukunft anderer Nationalparks entscheidend sein dürfte. Mit Hilfe von detaillierten Fragebögen und Expertengesprächen werden von ihm Chancen und Hemmnisse für die Integration von Naturschutz- und Wirtschaftsinteressen herausgearbeitet. Das Ergebnis ist zwar noch eher ernüchternd: die möglichen Verbindungen und Synergieeffekte zwischen Naturschutz und regionaler Entwicklung sind in dem untersuchten Nationalpark bislang eher schwach ausgeprägt. Thomas Ernstorfer entwickelt jedoch - und hierin liegt ein besonderer Wert der Arbeit - ein ganzes Bündel an Maßnahmen, die es in Zukunft möglich machen sollten, dass aus dem noch eher unverbundenen Nebeneinander und Gegeneinander von Naturschutzanliegen und ökonomischen Nutzungsinteressen ein verträgliches Miteinander wird.

Vieles von dem, was der Autor bei seiner Schwachstellenanalyse und vor allem bei seinem Empfehlungen herausgearbeitet hat, ist auch auf andere vergleichbare Nationalparks übertragbar. Die Arbeit von Thomas Ernstorfer greift eines der zentralen Probleme des heutigen Naturschutzes auf und besticht durch die gründliche und umfassende Vorgehensweise - sowie durch das überall zwischen den Zeilen spürbare große Engagement für ein modernes Verständnis von Naturschutz.

Hans-Hinrich Huss: Schweine in der Waldweide und die Möglichkeiten einer Reaktivierung dieser Haltung.

Wer heutzutage Schweine zur Mast in den Wald schickt, dürfte vor allem eines ernten: Kopfschütteln. Bei Landwirten wie vor allem auch bei Waldbesitzern. Das hat Hans-Hinrich Huss nicht davon abgehalten, sich dem Thema mit historischer Akribie und viel Liebe zum Detail zu widmen. Entstanden ist eine vielschichtige Zusammenstellung und Aufarbeitung von Fakten zur Waldweide von Schweinen. Anhand von Schrift- und Bilddokumenten trägt der Autor das noch vorhandene Wissen zu dieser im 19. Jahrhundert durch die Stallhaltung verdrängten Haltungsform zusammen.

Dabei geht er sowohl auf die Ernährung der Schweine als auch auf das Herdenmanagement und forstwirtschaftliche Aspekte der Waldweide ein. Es werden Zusammenhänge zwischen Waldbewirtschaftung, Ernährungssituation der Bevölkerung und Tierhaltung aufgezeigt, die allgemein nicht bekannt sind, wenn man über die früher übliche Eichelmast der Schweine spricht. Bei der an der Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau der TU München-Weihenstephan eingereichten Diplomarbeit handelt es sich über weite Strecken um eine - reich bebilderte - kulturgeschichtliche Studie.

Hans Hinrich Huss versteht seine Arbeit aber nicht als rein agrarhistorische Dokumentation. Vielmehr ist es ihm ein Anliegen, die Möglichkeiten für einen Neuaufbau dieser sicher sehr tiergerechten Haltungsform in Deutschland abzuklären. Dabei geht er auf heute noch existierende Formen der Waldweide in Südspanien, der Toskana und in Kroatien ein sowie auf Versuche in Dänemark, Schweine zur Waldverjüngung einzusetzen. In den genannten Regionen kann die Nachfrage nach Produkten aus Waldweide kaum gedeckt werden, Wartezeiten und lange Vorbestellungszeiten sind die Folge.

Abschließend werden die wichtigsten Aspekte für einen Neuaufbau der Waldweide an dafür geeigneten Standorten erläutert, wobei auch ein Vergleich der Produktionskosten bei konventioneller Mast und Waldmast angestellt. Der Autor ist sich dessen durchaus bewusst, dass die Reaktivierung der Waldweide nur eine Nischenproduktion sein könnte und dass insbesondere die äußeren Voraussetzungen vor allem hinsichtlich der Waldzusammensetzung noch weiter untersucht werden müssten.

Aber die untersuchten Beispiele heutiger Waldmast machen deutlich, dass aufgrund der deutlich besseren Qualität und dem hervorragenden Geschmack des Fleisches zumindest bestimmte Verbraucherschichten durchaus bereit sind, die entsprechenden Mehrkosten zutragen. Nicht nur die Tiere und die Konsumenten profitieren von dieser tierfreundlichen Haltungsform. Auch das Landschaftsbild: Der lichte Wald mit breitkronigen Eichen, wie er durch einen Mast- und Hutewald entsteht, wurde bereits als ein flächenhaftes Naturdenkmal im Landkreis Gifhorn ausgewiesen. Solche Waldformen könnten durch die Waldweide wieder genutzt bzw. erhalten werden oder durch die Bewirtschaftung neu entstehen.

Auf all diese Synergieeffekte aufmerksam gemacht zu haben und dies auf eine sehr lesenswerte und anschauliche Art und Weise, ist das Hauptverdienst der ausgezeichneten Arbeit von Hans Hinrich Huss.

Ingo Voigt: Analyse und Visualisierung des Raumwiderstandes für Zielarten des Biotopverbundes mit Hilfe des Geoinformationssystems ArcView.

ingodresden@aol.com

Die Diplomarbeit wurde an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden im Studiengang Landespflege eingereicht. Auch sie greift ein zentrales Problemfeld des Naturschutzes in dichtbesiedelten Regionen auf: den Artenrückgang. In Deutschland sind nach Angaben der Naturschutzbehörden rund ein Drittel aller bewerteten Tierarten und ein Viertel der Farn- und Blütenpflanzen gefährdet. Alarmierende Zahlen, die jedoch bislang nicht dazu geführt haben, dass dem Natur- und Artenschutz bei planerischen Prozessen die nötige Priorität eingeräumt wird. Als Ursache der Gefährdung und des Rückgangs der Arten ist an erster Stelle der Lebensraumverlust zu nennen, hervorgerufen durch menschliche Aktivitäten. Dabei ist nicht nur die schwindende Anzahl der Quadratmeter einzelner Biotope von Bedeutung, sondern vor allem die zunehmende Zerstückelung der Lebensräume und Fragmentierung von Landschaften. Diesem schleichenden Prozess der Verinselung versucht man mit Biotop-Verbundsystemen entgegenzuwirken. Hierfür benötigt man jedoch genaue Angaben darüber, wie viel und welche Form von Lebensraum die einzelnen Arten beanspruchen. Das beinhaltet auch Angaben darüber, wie eng das Netz der verschiedenen Biotope geknüpft sein muss, damit flächendeckend für die verschiedenen Arten ein Überleben gewährleistet ist.

Das sind klassische Fragen der modernen Biotopverbundplanung. Das Besondere an der Arbeit von Ingo Voigt liegt in der Methode, mit der er sich diesen Fragen nähert. Am Beispiel der in Sachsen gelegenen Moritzkupper Kleinkuppenlandschaft, einem argrarisch genutzten Gebiet, definiert er zunächst bestimmte Zielarten. Das sind solche Arten, an denen man exemplarisch das Erreichen oder eben Verfehlen bestimmter Naturschutzziele überprüfen kann. In einem zweiten Schritt wird für jede dieser Arten der "Raumwiderstand" bestimmt. Darunter versteht man den Widerstand, den die Natur den Aktivitäten der Tierwelt aufgrund ihrer geoökologischen Ausstattung entgegensetzt, aber auch Behinderungen der Mobilität von Tieren, die der Mensch etwa durch den Bau von Straßen hervorruft.Anhand dieser Daten gelingt es Ingo Voigt, für jeder der Zielarten mit Hilfe eines Geoinformationssystems genau anzugeben, wo aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten die potentiellen Lebensräume für die jeweilige Art liegen und vor allem, wie hoch der Aufwand für die Tiere ist, einen anderen für sie geeigneten Lebensraum zu erreichen. Dieses Verfahren ermöglicht es, die Verinselung der Biotope sehr anschaulich zu visualisieren und dadurch den naturschützerischen Handlungsbedarf eindrücklich darzustellen bzw. bei Eingriffen deren Auswirkungen auf die Vernetzung der verschiedenen Lebensräume erkennbar werden zu lassen.

Die Arbeit geht dabei methodisch sehr reflektiert vor, sowohl was die Bestimmung der Zielarten angeht als auch bzgl. der Aussagekraft der gewonnene Ergebnisse. Das innovative Verfahren ist - worauf der Autor selbst hinweist - noch nicht allen Punkten ausgereift. Aber er konnte an einem Anwendungsbeispiel deutlich zeigen, dass es in Zukunft konkrete Hilfestellungen bei der Biotopverbundplanung liefern könnte. Die Methode bedarf noch der weiteren Validierung; vor allem ihre Vorhersage-Genauigkeit müsste noch ermittelt werden. Sind jedoch einmal die verschiedenen Raumwiderstände der Biotoptypen hinreichend quantifiziert, könnte sich das Verfahren für eine schnelle, kostengünstige und dennoch treffsichere Prognose im Planungsalltag eignen.